B2B Dialog

Blaue Lagune Dialog zum Thema
„Hausboote / Floating Homes – Wohnen am Wasser“

Wohnen am Wasser und die Möglichkeiten bzw. Voraussetzungen für die Umsetzung waren das Thema des vierten Blaue Lagune Dialogs, der am 13. September im ebenfalls „schwimmenden“ LISI-Haus, dem Gewinnerhaus des Solar Decathlon 2013, in der Blauen Lagune in Wiener Neudorf stattfand. Das Interesse an dieser faszinierenden Wohnform war enorm: Mehr als 40 hochkarätige Teilnehmer aus der Immobilienbranche kamen zu dieser Podiumsdiskussion und diskutierten lebhaft mit.

Hausherr Erich Benischek, Gründer und Eigentümer der Blauen Lagune, begrüßte die Moderatorin, Dr. Gisela Gary, sowie die Diskutanten: MMag. Martin Aringer (ahw aringer herbst winkelbauer rechtsanwälte), DI Wolfgang Gollner (Neusiedl am See Projektentwicklung), Ing. Mag. Hannes Horvath (HAND GmbH) und Mag. Wolfgang Wahlmüller (ÖSW Österreichisches Siedlungswerk AG).

Unter den Gästen fanden sich u.a. KR Karl Fichtinger (IMMO-Contract Maklergesellschaft m.b.H.), EURIng. Norbert Küblböck (ÖSC Ökosystems Consulting GmbH), Dr. Manuela Maurer-Kollenz (Müller Partner Rechtsanwälte), DI Johannes Pesendorfer (pumar ZT GmbH), Mag. Gernot Strasser (Österreichische Bundesforste) und DI Reinhard J. Waltenberger (S IMMO AG).


Aktuelle Projekte: am und auf dem Wasser
Dass Wohnen am Wasser eine besondere Faszination ausübt, weiß Wirtschaftssoziologe und Immobilien-Entwickler Hannes Horvath: „Wasser ist Fluch und Segen zugleich und stellt somit eine echte Herausforderung dar. Für die Zielgruppe ist – wie bei jedem Wohnprojekt – an erster Stelle das Bedürfnis nach Sicherheit zu erfüllen. So wird das angenehme Klima am Wasser sehr geschätzt, solange es ruhig ist“. Mit welchen Problemstellungen in der Projektentwicklung zu kämpfen ist, wird anhand von zwei konkreten Beispielen deutlich: Für das eine, Am Hafen Neusiedl, wird nach insgesamt 10 Jahren Vorlaufzeit der Baustart im November 2016 erfolgen. Hierbei handelt es sich um ein hochwertig gebautes Projekt mit See-Häusern, See-Apartments und einem Hotel, auf festem Land am Ufer des Neusiedler Sees gebaut, jedoch mit direktem Zugang zum See, inklusive Marina. „Insbesondere die Einhaltung naturschutzrechtlicher Auflagen sorgte für die lange Dauer bis zur Realisierung“, erläuterte DI Wolfgang Gollner, „sowie die Problematik der Zuständigkeiten: Mit welcher Behörde soll man denn überhaupt verhandeln?“.

Das zweite Projekt stammt vom Österreichischen Siedungswerk: Unter dem Namen Waterside Living werden im Winterhafen von Linz vier Einfamilienhäuser, 2-geschoßig, auf Stahlbeton-Schwimmkörpern realisiert. „Im Rahmen eines Marktforschungsprojekts sondierten wir als Basis für die Planung die Wünsche der potentiellen Bewohner“, so Mag. Wolfgang Wahlmüller vom ÖSW, „und eines war sonnenklar: Das auf dem Wasser gebaute Domizil soll bitte auch wirklich wie ein Haus aussehen.“ Das ÖSW evaluierte mehrere Standorte, wobei eine urbane Lage Voraussetzung war. „Aus meiner Erfahrung ist es für eine Realisierung essentiell, die Unterstützung der Verantwortlichen zu gewinnen,“ plaudert Wahlmüller aus dem Nähkästchen. Für das Linzer Projekt, das im April 2017 fertiggestellt sein wird, waren insbesondere schifffahrts- und wasserrechtliche Auflagen zu erfüllen. Rund drei Jahre Zeit nahmen die Genehmigungen in Anspruch. Als positiv erwies sich auch die Widmungssituation am Ufer, wo mit einer Wohnhausanlage die besten Voraussetzungen gegeben waren.


Welche rechtlichen Vorschriften sind relevant?
MMag. Martin Aringer, Immobilien-Anwalt, stellt eines klar: „Das Baurecht ist grundsätzlich nur für das Bauen auf dem Land anzuwenden. Das Bauen am Wasser liegt im Entscheidungsspielraum der jeweiligen Behörde. Und da kommt es dann natürlich auf den jeweiligen Sachverständigen an. Mangels Rechtsgrundlage für schwimmende Anlagen wird auch gerne auf das Baurecht zurückgegriffen.“ Es herrsche jedenfalls eine ziemliche Rechtszersplitterung: Der Bogen reiche von der Flächenwidmung über das Wasser- und Schifffahrtsrecht sowie Umweltrecht bis hin zum Melderecht – man brauche ja auch eine eindeutige Adresse. Des Weiteren sei zu beachten, ob es sich um eine Wasserstraße wie die Donau oder aber vielleicht um einen Privatsee handle, und natürlich auch, in welchem Bundesland das Projekt realisiert werden soll.

Das Resümee
Einig waren sich alle, dass gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen sind, um für Klarheit zu sorgen – auch, um möglichen Missbrauch auszuschließen. Dazu Erich Benischek, Geschäftsführer der Blauen Lagune, der sich schon sehr lange mit diesem Thema auch auf europäischer Ebene auseinandersetzt: „Wir sind gerade dabei, gemeinsam mit Universitäten ein europaweites Forschungsprojekt zum Thema Floating Homes auf die Beine zu stellen. Die Ergebnisse mögen, auch in Hinblick auf die gravierenden Auswirkungen des Klimawandels, dazu beitragen, geeignete rechtliche Grundlagen zu schaffen. Parallel dazu wird bereits intensiv an der Umsetzung von Projekten gearbeitet.“

Fotos-Download:

  • Vor den Vorhang: Das Podium mit Gastgeber v.l.n.r.
    Ing. Mag. Hannes Horvath (HAND GmbH), Erich Benischek (Blaue Lagune), Mag. Wolfgang Wahlmüller (ÖSW Österreichisches Siedlungswerk AG), MMag. Martin Aringer (ahw aringer herbst winkelbauer rechtsanwälte), DI Wolfgang Gollner (Neusiedl am See Projektentwicklung)
    Foto: Blaue Lagune/Bill Lorenz 2016

  • Das Podium mit Gastgeber auf der Terrasse des LISI-Hauses – v.l.n.r.
    DI Wolfgang Gollner (Neusiedl am See Projektentwicklung), MMag. Martin Aringer (ahw aringer herbst winkelbauer rechtsanwälte), Ing. Mag. Hannes Horvath (HAND GmbH), Erich Benischek (Blaue Lagune), Mag. Wolfgang Wahlmüller (ÖSW Österreichisches Siedlungswerk AG)
    Foto: Blaue Lagune/Bill Lorenz 2016
     

  • Angeregte Diskussion – v.l.n.r.
    Ing. Mag. Hannes Horvath (HAND GmbH), DI Wolfgang Gollner (Neusiedl am See Projektentwicklung),
    Mag. Wolfgang Wahlmüller (ÖSW Österreichisches Siedlungswerk AG), MMag. Martin Aringer (ahw aringer herbst winkelbauer rechtsanwälte)
    Foto: Blaue Lagune/Bill Lorenz 2016

  • Blaue Stunde in der Blauen Lagune – v.l.n.r.
    Ing. Mag. Hannes Horvath (HAND GmbH), DI Wolfgang Gollner (Neusiedl am See Projektentwicklung),
    Mag. Wolfgang Wahlmüller (ÖSW Österreichisches Siedlungswerk AG), MMag. Martin Aringer (ahw aringer herbst winkelbauer rechtsanwälte) und Moderatorin Dr. Gisela Gary
    Foto: Blaue Lagune/Bill Lorenz 2016