Dialog

Blaue Lagune Dialog zum Thema
„Multifunktionale Nutzung von Gebäuden: Sparen wir an der falschen Stelle?“

Die multifunktionale Nutzung von Gebäuden war das Thema des dritten Blaue Lagune Dialogs, der am 6. Juni im „schwimmenden“ LISI-Haus, dem Gewinnerhaus des Solar Decathlon 2013, in der Blauen Lagune in Wiener Neudorf stattfand. Die Aktualität dieses zukunftsweisenden Themas bestätigte das rege Interesse: Mehr als 30 hochkarätige Teilnehmer aus der Immobilienbranche kamen zu dieser Podiumsdiskussion, und viele von ihnen brachten sich lebhaft in das Thema ein.

Hausherr Erich Benischek, Gründer und Eigentümer der Blauen Lagune, begrüßte die Moderatorin, Dr. Gisela Gary, sowie die Diskutanten: Andreas Holler, B.Sc. (BUWOG Group), Mag. Christian Murhammer, MAS (Österreichischer Fertighausverband), Dr. Andreas Ridder (CBRE), Arch. Mag. Georg Soyka (Soyka/Silber/Soyka Architekten ZT) und Mag. Ing. Arnold Vielgut (Vasko + Partner Ingenieure ZT).

Unter den Gästen waren u. a.: Dr. Arno Brauneis (Brauneis Klauser Prändl Rechtsanwälte), Ing. Mag. Gerhard Haumer (Alpha & Partner Immobilien Consulting GmbH), Mag. Isabella Jandl (Wohnservice Wien), Herbert Janschka (Bürgermeister Wr. Neudorf), DI Horst Reiner (ATP Architekten Ingenieure Wien).

Multifunktionalität – heute und morgen

Für Architekt Georg Soyka ist die multifunktionale Nutzung von Gebäuden etwas Wünschenswertes: „Städte leben dadurch, dass sich Tag und Nacht etwas abspielt. Dies wirkt sich darüber hinaus positiv auf das Sicherheitsgefühl der Bewohner aus. Auch die Politik greift dieses Thema schon auf und schreibt etwa hybride Sockelzonen vor.“ Dennoch stimmen die gesetzlichen Rahmenbedingungen vielfach noch nicht, um dieses Thema umzusetzen, da seien andere Länder schon um einiges weiter. Dennoch werden schon Vorschläge wie Hochgaragen statt Tiefgaragen – in Hinblick auf mögliche Nachnutzungen – verfolgt. Auch für Arnold Vielgut ist Flexibilität ein zentrales Thema in der Planung, er stellt jedoch kritisch fest, dass zu viel Flexibilität auch der Architektur schaden könne. Zudem würde die in Österreich herrschende Überregulierung Planungen nicht gerade erleichtern, und es sei diesbezüglich Überzeugungsarbeit zu leisten. Einigkeit herrscht darüber, dass etwa Gründerzeithäuser ein äußerst positives Beispiel für die multifunktionale Nutzung darstellen – hohe Raumhöhen erlauben vieles, so funktioniert die Nutzung als Wohnung, Büro oder Ordination auch heute noch. Dennoch gibt es Grenzen, insbesondere die Statik betreffend, wenn es beispielsweise um nachträgliche Aufstockungen geht.

Von der Allgemeinnutzung bis hin zur Shared Economy

Für Andreas Holler von der BUWOG Group bedeutet Multifunktionalität vor allem die Überlegung, welche Allgemeinräume im modernen Wohnbau multifunktional für die Bewohnern nutzbar gemacht werden. In der großen Dimension sieht er wiederum die Kombination von Nutzungen, wie etwa Hypermarkt und Volksschule, oder Shopping Center in Kombination mit Wohnen (aktuelles Beispiel: die Wohnbebauung des Auhofcenters). Er ortet insbesondere den Grundstücksmangel in der Stadt als Ursache für neue Lösungen. „Der Markt fürs Wohnen ist zurzeit ein guter“, so Holler, „jedoch bleiben viele Erdgeschoßflächen frei – hier könnte man beispielweise Wohnräume schaffen, die via Airbnb gebucht werden.“ Auch für Andreas Ridder von CBRE ist die Shared Economy ein Megatrend: „Dort, wo Flächen teuer sind, werden Immobilien mehrfach genutzt: tagsüber als Büro, und am Abend als Restaurant. Dieses Beispiel findet sich etwa in San Francisco. In Österreich wird’s vermutlich noch etwas länger dauern.“ Auch, so Holler, spielt der Wert des Grundstücks für eine nachhaltige Nutzung eine entscheidende Rolle: Je teurer die Gegend, desto eher ist, aus Developer-Sicht, ein Abriss und eine Neu-Bebauung wahrscheinlich.

Multifunktionalität – auch für‘s Einfamilienhaus relevant?

Zu diesem Punkt ist die Meinung Christian Murhammers, GF des Österreichischen Fertighausverbandes, gefragt: „Die Anforderungen ans Einfamilienhaus betreffen eher die Flexibilität“, so Murhammer, „der Zweck – das Wohnen – bleibt im Normalfall bestehen, aber die Bedürfnisse ändern sich im Laufe des Lebens. Drastisch ausgedrückt: Das Kinderzimmer wird irgendwann zum Pflegezimmer.“ Dazu gäbe es viele Bestrebungen in der Fertighaus-Branche, der große Durchbruch fehle aber noch. Murhammer weist in diesem Zusammenhang auf ein hochaktuelles Projekt der Branche hin, das nicht umsetzbar war, nämlich der Bau von Flüchtlingsheimen: Die Grundidee war, einfache Quartiere zu bauen, die man zu einem späteren Zeitpunkt zu Wohnungen upgraden könnte. Das Projekt scheiterte jedoch an den zersplitterten Zuständigkeiten der Institutionen.

Eine Vielzahl an wichtigen Aspekten wurde auch noch beim anschließenden Networking intensiv diskutiert. Gastgeber Benischek freute sich über die angeregte Diskussion und erläuterte interessierten Gästen auch noch ein paar innovative Details der außergewöhnlichen Veranstaltungs-Location, dem Weltmeisterhaus LISI.

Fotos-Download:

  • Das Podium mit Gastgeber auf der Terrasse des LISI-Hauses – v.l.n.r.
    Arch. Mag. Georg Soyka (Soyka/Silber/Soyka Architekten ZT); Andreas Holler, B.Sc. (BUWOG Group); Dr. Andreas Ridder (CBRE); Mag. Christian Murhammer, MAS (Österr. Fertighausverband); Erich Benischek (Blaue Lagune); Mag. Ing. Arno Vielgut (Vasko + Partner Ingenieure ZT)
    Foto: Blaue Lagune/Bill Lorenz 2016

  • Das Podium mit Gastgeber und Moderatorin – v.l.n.r.
    Erich Benischek (Blaue Lagune); Mag. Ing. Arno Vielgut (Vasko + Partner Ingenieure ZT);
    Mag. Christian Murhammer, MAS (Österr. Fertighausverband); Dr. Andreas Ridder (CBRE);
    Andreas Holler, B.Sc. (BUWOG Group); Arch. Mag. Georg Soyka (Soyka/Silber/Soyka Architekten ZT), Dr. Gisela Gary
    Foto:Blaue Lagune/Bill Lorenz 2016

  • Die Diskutanten – v.l.n.r.
    Mag. Ing. Arno Vielgut (Vasko + Partner Ingenieure ZT); Mag. Christian Murhammer, MAS (Österr. Fertighausverband); Dr. Andreas Ridder (CBRE); Andreas Holler, B.Sc. (BUWOG Group);
    Arch. Mag. Georg Soyka (Soyka/Silber/Soyka Architekten ZT), Dr. Gisela Gary
    Foto: Blaue Lagune/Bill Lorenz 2016

  • Spannende Diskussion im LISI-Weltmeisterhaus – v.l.n.r.
    Mag. Ing. Arno Vielgut (Vasko + Partner Ingenieure ZT); Mag. Christian Murhammer, MAS (Österr. Fertighausverband); Dr. Andreas Ridder (CBRE); Andreas Holler, B.Sc. (BUWOG Group);
    Arch. Mag. Georg Soyka (Soyka/Silber/Soyka Architekten ZT), Dr. Gisela Gary
    Foto: Blaue Lagune/Bill Lorenz 2016

InfoBox BLAUE LAGUNE:
Blaue Lagune – Fertighauszentrum & Smart Expo rund um Bauen, Sanieren und modernes Wohnen
Ausstellungszentrum: 2351 Wiener Neudorf, A2 Südautobahn, Abfahrt Mödling/SCS
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 10:00 bis 18:00 Uhr, Sonn- und Feiertag geschlossen, Eintritt frei

Info-Telefon +43 2236 64 199
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