Bauzentrum

Gelebte Kreislaufwirtschaft am Beispiel des Bauzentrums

Die Blaue Lagune wird mit ihrem neuen Bauzentrum selbst zum Showcase für das Bauen der Zukunft. Ein wesentliches Ziel dabei ist, die Kriterien für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft in möglichst allen Bereichen des Projektes umzusetzen. Das reicht vom richtigen Umgang mit den Abbruchmaterialien des Altbestandes über die Wiederverwendung des Aushubmaterials bis hin zu den neuen Gebäuden selbst, deren Kreislauffähigkeit insbesondere auf einer nachhaltigen Planung und einer digitalen Baudokumentation beruhen. Im Folgenden einige Beispiele für gelebte Kreislaufwirtschaft im Rahmen des Projektes:

Abbau von Musterhäusern und Wiederaufbau als privat genutzte Einfamilienhäuser

Bereits Monate vor dem Baubeginn des neuen Bauzentrums wurden einzelne Musterhäuser an private Bauherren verkauft, um für das neue Projekt genügend Platz zu schaffen. Die Häuser wurden fachgerecht abgebaut und an ihren neuen Bauplätzen wieder errichtet. Dies ist der besondere Vorteil von Fertighäusern in Holzrahmenkonstruktion, da diese Häuser ohne Qualitätsverlust an einem anderen Ort wieder errichtet werden können. Ein Musterbeispiel für gelebte Kreislaufwirtschaft!

Bodenabtragung

Bei der Bodenabtragung für das neue Bauzentrum wurde besonders auf die Wiederverwendung des Aushub-Materials geachtet: Der Schotter konnte später auf der Baustelle wieder eingesetzt, Erde bzw. Humus ebenfalls vor Ort zur Flächenbegrünung verwendet werden. Lehm wurde zur Deponie gebracht und dient dort wiederum als Untergrund. Live-Eindrücke erhalten Sie durch diesen Film:
 

Einbau Cover Film 1

 

Abbruch bestehendes Musterhaus

Abbruch bestehendes Musterhaus

Eines der Musterhäuser konnte aus bautechnischen Gründen nicht ab- und wieder aufgebaut werden, was einen Abbruch des Gebäudes notwendig machte. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf noch verwendbare Bauteile wie Eingangstüre oder Fenster gelegt, um sie einer möglichen weiteren Nutzung zuzuführen. Alle anderen Baustoffe wurden sortenrein getrennt, speziell aufbereitet und konnten somit für andere Einsatzzwecke wiederverwertet werden. Mit der Brantner Gruppe hat die Blaue Lagune für diesen Bereich einen verlässlichen Partner gefunden. In diesem Film erfahren Sie mehr:
 

Cover Film 2

 

Planung der fünf Ausstellungsgebäude

Planung der fünf Ausstellungsgebäude

Eines der Ziele beim Bau von kreislauffähigen Neubauten ist – neben vielen anderen wie der Einsatz ressourcenschonender Bau- und Energietechnik - eine möglichst lange Nutzungsdauer zu gewährleisten bzw. ein vorausgedachte alternative Nutzung ohne viel Aufwand zu ermöglichen. Genau das wurde bei der Planung des Bauzentrums besonders berücksichtigt: Sollte die Grundnutzung als Ausstellungsgebäude nicht mehr relevant sein, können andere Optionen - wie etwa die Nutzung als Bürogebäude - mit möglichst geringem Aufwand umgesetzt werden. So wurden die fünf Gebäude nahezu ident mit demselben Raster- und Höhenmaß sowie derselben Konstruktionsart hinsichtlich der Statik sowie Materialart konzipiert. Keller- und Geschoßwände (Ausführung als Fertigteil-Hohlwände mit immer gleichen Maßen) sind für den Fall der Fälle sehr einfach demontier- und wiederverwendbar.
 

Errichtung der Wände UG, Gebäude C, Mai 2022
Errichtung der Wände UG, Gebäude C, Mai 2022

Bodenaufbau

Fertigteilhohlwände für Keller und Geschoße

Der Bodenaufbau besteht vorwiegend aus einem Doppelbodensystem, wodurch auf üblich verwendete Schüttung, Estrich und Aufbauten verzichtet werden konnte. Dies ermöglicht einerseits eine sehr flexible Reaktion auf Nutzeränderungen, andererseits (bei einer allfälligen Rückführung im Sinne der Kreislaufwirtschaft) eine einfache Wiederverwendung.

Aufgrund der statischen Anforderungen der Nutzlasten sind alle Decken in Ortbeton ausgeführt, wobei aber, im Sinne der Kreislaufwirtschaft, die eingesetzten Rohstoffe nach entsprechender Bearbeitung wieder rückgeführt werden können. Dies würde durch Abbruch, Zerkleinerung mittels Brecher und Trennung von Beton und Stahl erfolgen.

Zur Gewährleistung einer größtmöglichen Flexibilität wurden für die zehn Themenzentren im Vorfeld alternative Nutzungen durchgeplant. So sind die Themenzentren mit und ohne Geschoßdecke problemlos nutzbar. Erreicht wird dies mittels Trägersystemen und zusätzlich durch ein innovatives umlaufendes Stegsystem: Der 60 cm breite Steg dient einerseits als Befestigungsmöglichkeit für alle Arten von Deckenkonfigurationen (wie beispielsweise der Einbau einer Galerie mit Atrium), und andererseits als Versorgungsquelle für Wärme und Kühlung durch den Einbau von Unterflurkonvektoren. So kann das Themenzentrum, ob mit oder ohne Geschoßdecke genutzt, problemlos mit entsprechender Energie versorgt werden.

Im Bereich der Fassadenelemente wurde ebenfalls, durch immer gleiche Rasterelemente, auf eine mögliche Rückführung Bedacht genommen. Die Portalelemente der Showrooms können leicht demontiert und beispielsweise einer gleichen Nutzung bei einem anderen Projekt dienen. Dies gilt ebenso für die Pfostenriegelkonstruktionen der stirnseitigen Glasfassaden, die aufgrund der gleich angesetzten Rasterbauweise wieder verwendet werden können.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass bei allen Gewerken auf eine einfache Konstruktion im Sinne der Montage und einer möglichen Demontage Bedacht genommen wurde. Dadurch wird eine Rückführung in den Materialkreislauf durch Wiederverwendung der Elemente bei anderen Gebäuden oder eine Wiederrückführung in den Rohstoffzyklus möglich. Im Rahmen der Baudokumentation werden laufend die eingesetzten Materialien erfasst und dokumentiert. Dadurch kann jederzeit auf die eingesetzten Rohstoffe repliziert und diese bei Bedarf abgerufen werden.

Die wesentlichen Schritte des Baus werden laufend in der Bauchronik dokumentiert.

Energiekonzept

Bei der Energieversorgung setzt die Blaue Lagune auf verschiedenste Systeme, um ein möglichst breites Spektrum als Showcase zu zeigen. Die Geothermie stellt dabei eine wichtige Säule dar. So wurden die Fundamentplatten von zwei Ausstellungsgebäuden mit insgesamt 2.500 m2 aktiviert. Das bedeutet, dass unterhalb der Bodenplatte Wärmetauscherleitungen verlegt und in die Sauberkeitsschicht miteinbetoniert wurden. Zusätzlich gibt es zwei weitere Quellen zur Nutzung von Geothermie, die Tiefenbohrung und der oberflächennahe Ringgrabenkollektor.
 

Aktivierung der Fundamentplatte für Geothermie
Aktivierung der Fundamentplatte für Geothermie

Die Gebäude B und C

Aktivierung der Fundamentplatte für Geothermie

Die Gebäude B und C werden mit dem innovativen HVM (HydroVariableMulti) System versorgt, einer wasserbasierten hybriden VRF-Lösung (Variable Refrigerant Flow): Bei diesem System werden die Kältemittelfüllmengen um bis zu 65 % reduziert und durch Wasser ersetzt. Durch das wasserbasierte Konzept des HVM-Systems gibt es vor allem keinerlei Kältemittel im Inneren des Gebäudes, wodurch eine sichere Anwendung garantiert wird. Eine integrierte Luft-Wasser-Wärmepumpe entzieht der Luft Energie, die für das Heizen und Kühlen verwendet wird. Im Sinne einer umfassenden Darstellung des Themas Energieversorgung wird auch die Möglichkeit der Fernwärme aufgegriffen, die gerade im städtischen Bereich vielfach genutzt wird.

Selbstverständlich wird auch auf das Thema Strom besonderer Fokus gelegt und verschiedenste Systeme vor Ort gezeigt: Dazu zählen die unterschiedlichen Möglichkeiten der Photovoltaik zur Stromgewinnung, das große Feld an Speicher- und Ladesystemen bis hin zum spannenden Thema des bidirektionalen Ladens, bei dem Energie in beide Richtungen ausgetauscht wird – so wird das stehende E-Fahrzeug zum Energiespeicher zur Versorgung des eigenen Haushalts (Vehicle-to-Home) oder die überschüssige Energie des Auto-Akkus wird ins Netz eingespeist (Vehicle-to-Grid). Neben den PV-Anlagen werden Teile der Gebäude mit einem Gründach hergestellt. Das gesamte Konzept wird mit einer Regenwassernutzanlage ergänzt, um eine optimale Wassernutzung für die Sanitäranlagen und Gartenbewässerung zu ermöglichen. Zur Veranschaulichung des Energiehaushalts wird ein Monitoringsystem installiert, das dem Facility Management eine optimale Steuerung ermöglicht.
 

Bewusstseinsbildung im Bereich Einfamilienhausbau bzw. Wohnungsbau

Aktivierung der Fundamentplatte für GeothermieDas Themenzentrum Lebenszyklusorientiertes Bauen im neuen Bauzentrum ist ein Beispiel dafür, wie das Thema Kreislaufwirtschaft im privaten Hausbau mitgedacht wird. Es zeigt anhand eines voll ausgestatteten Hausmodells im Maßstab 1:1, wie eine vorausschauende Planung helfen kann, möglichst lange im eigenen Zuhause zu leben. Spätere Nachrüstungen oder die möglichst einfache Umnutzung von Räumen für geänderte Anforderungen (z. B. das Arbeitszimmer wird zum Pflegezimmer) sind Teil des Konzeptes. Hier erfahren Sie mehr.